Isten kerámikusa - God's Ceramic Artist - Gottes Keramikerin

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Mein Leben ausführlicher

1952 bin ich als erstes Kind in eine arme Familie hineingeboren. Mein Vater hat 1956 seine zwei Kinder und seine zeitweise Alkohol konsumierende Frau hinterlassen und das Land verlassen. Ab dem Zeitpunkt wurde meiner Mutter der Boden unter den Füßen immer mehr weggezogen. Sie hat viel getrunken, hat sich wenig um ihre Kinder gekümmert und hat nicht gearbeitet. Sie ist immer schneller abgesunken, uns auch mit sich ziehend. Ich erinnere mich, dass wir oft hungrig waren und dass ich auf die Strasse gegangen bin, um Wildgemüse und Grundbirnen zu sammeln. Ich habe mit meiner Mutter viel Zeit in Kneipen verbracht. Ich wurde als ein sechs jähriges dürres, blasses Mädchen in das Kállai Èva Kinderheim gebracht. Meinen Erinnerungen zufolge war es ein dunkler, sehr unfreundlicher Ort. Ich habe mich sehr gefürchtet. Von dort haben sie mich in das Erziehungsheim von Gencsapáti, neben Szombathely, gebracht. Am ersten Tag, als ich weinend und mit Ängsten ankam, wurde ich auf dem Hof auf eine Drehschaukel gesetzt, die von einem größeren Kind gedreht wurde. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben auf einer Drehschaukel gesessen. Mir wurde sehr schwindelig und ich bin aus der Schaukel gefallen, hinein in eine Pfütze. Meine Brille ist auch zerbrochen. Die Erzieherin hat mich sehr beschimpft. Sie hat mich zur Direktorin gebracht und ich musste im Zimmer der Direktorin auf Mais knien. Hast du schon mal auf Mais gekniet, liebe/r Leser/in?
In diesem Internat war es Gewohnheit, in der Früh die Flagge aufzuziehen und sie am Abend einzuziehen. Bei diesen Anlässen war es für alle Pflicht teilzunehmen. Am ersten Abend beim Einziehen der Flagge wurde ich vor alle hingestellt und sie haben gesagt, dass noch ein sehr schlimmes Kind angekommen ist, das schon am ersten Tag viele Probleme bereitet hat, und als Strafe habe ich noch zehn Schläge auf meine Fingernägel bekommen. Da habe ich das erste Mal in meiner Kindheit gedacht, wie gut es wäre, wenn es mich nicht gäbe. Ich war ein Jahr dort; mit vielen, ein Leben lang bleibenden schrecklichen Erinnerung bin ich von dort weggegangen.
 
 
Meine Mutter hat mich für eine kurze Zeit nachhause gebracht. Ich habe auf meine kleine Schwester aufgepasst und viel geholfen. Meine Mutter hatte einen Lebenspartner, der später ihr Mann wurde (Lajos). Der Vater meiner zwei kleinen Schwestern. Sie haben regelmäßig gemeinsam getrunken. Lajos war ein schnell wütend werdender, aggressiver, fluchender Mensch. Mich hat er besonders oft geschlagen, meistens meinen Kopf. Lajos und meine Mutter haben sich auch oft geprügelt, das Messer ist auch aufgetaucht. Ich habe so oft geschrien als Kind. Die Polizei ist regelmäßig gekommen. Meine erste fast tödliche Erfahrung fällt auch in diese Zeit. Wir hatten kein Spielzeug, aber ich bin sehr gerne auf Bäume geklettert. Höher und schneller konnte ich auf die hohen Bäume klettern als die in meiner Straße lebenden großen Jungs. Vielleicht war das mein erstes richtiges Erfolgserlebnis in meinem Leben. Und ich bin immer höher geklettert. In unserem Hof gab es einen großen, hohen Akazienbaum. Ich liebte es, auf diesem hoch oben herumzusitzen. Bei einer dieser Gelegenheiten – vielleicht war der Zweig zu dünn oder trocken – ist der Zweig abgebrochen und ich bin von dort oben hinuntergefallen. Ich war alleine. Ich erinnere mich, dass ich keine Luft bekam. Ich weiß nicht, wie lang ich dort gelegen bin. Ich war der Meister des hoch-hinauf-Kletterns.

 
Meine Mutter hat uns oft eingesperrt. Sie ist in die Kneipe gegangen und hat die Schlüssel mit sich genommen. Das Zimmer, in dem wir wohnten, hatte eine große Innenhöhe. Über der Tür gab es ein kleines Fenster, das nur mit einem Riegel verschlossen war. Ich bin regelmäßig hinausgeklettert, meine beiden Arme und Füße anspannend konnte ich hinaufklettern und auf der anderen Seite hinunterklettern. Eigentlich hatte das Ganze überhaupt keinen Sinn, weil es Draußen auch nichts gab, weshalb es sich gelohnt hätte, diese halsbrecherische Übung durchzuführen. Trotz dessen bin ich immer wieder hinausgeklettert und nach kurzer Zeit wieder zurückgeklettert, damit meine Mutter nichts bemerkt. Für die kurze Zeit, die ich zuhause war, in Rákosszentmihály, bin ich in die Geisler Eta Grundschule gegangen. Ich bin sehr ungern dorthin gegangen. Die Kinder haben mich oft wegen meiner Kleidung verspottet. Ich hatte Schuhe, die schon damals, als ich sie bekommen habe, abgenutzt waren. Sie waren wahrscheinlich einmal schwarz-weiße Schuhe, die Lajos „erneuert“ hat. Er hat sie angemalt, wodurch sie so hässlich geworden sind und das Loch an der Schuhsohle hat er mit irgendeinem Papier und Kleber repariert. Ich habe oft das Gefühl gehabt, dass Alle meine Schuhe anschauen. In der Schule habe ich versucht, meine Füße fest an den Boden zu drücken, so dass niemand meine Schuhsohle sehen konnte. In dieser Schule geschah meine zweite, fast tödliche Erfahrung wegen einer schweren Pflanzenvergiftung. (Im Laufe meines Lebens war ich sieben Mal dem Tod nahe).
 
 
An einem Sonntag haben meine Mutter und Lajos uns zum „Normafa“ (ein Wandergebiet) gebracht. Wir haben uns sehr gefreut. Es fing als ein schöner Tag an. Bei einem Spielplatz angekommen, sind Mutter und Lajos zu einem Imbissstand gegangen, um Essen zu holen. Ich habe meiner Mutter gesagt, dass ich noch Hausaufgaben habe, die ich für den nächsten Tag machen muss. Meine kleine Schwester und ich haben glücklich geschaukelt. Als meine Mutter und Lajos zurückgekommen sind, waren sie schon ziemlich betrunken. Wir haben Essen bekommen und dann sind sie wieder weggegangen. Als sie wieder zurückgekommen sind, haben sie sich ins Gras gelegt. Es war Abend als sie aufgewacht sind. Wir sind sehr spät Zuhause angekommen und sind viel gegangen. Meine Hausaufgabe konnte ich nicht mehr erledigen. Am nächsten Tag hat mich die Lehrerin aufgerufen, meine Hausaufgaben zu zeigen. Sie hat mich sehr getadelt, und ich habe eine große Eins bekommen (in Ungarn ist Eins die schlechteste, und Fünf die beste Note). In der Zeit habe ich Tagebuch geführt, wahrscheinlich habe ich in dieses hineingeschrieben, was alles passiert ist. Nach dem Einser habe ich an meinem Platz weinend mein Tagebuch hervorgenommen und angefangen hinein zu schreiben. Die Lehrerin ist zu mir gekommen und hat geschrien, dass ich mich auch jetzt nicht mit den schulischen Sachen beschäftige, und hat mein Tagebuch weggenommen. Sie hat es gelesen (hat dann die Eins durchgestrichen) und hat mich zur Direktorin gebracht. Sie haben dort alles Mögliche gefragt und mich dann in den dritten Bezirk in ein Institut in der Szél Strasse gebracht (von wo aus die Kinder in andere Kinderheime weitergeleitet werden).
Ich war ein schüchternes, leicht weinendes, aber sich immer gut verhaltendes Kind. In diesem Heim wurden die neuen Kinder die Diener der größeren Kinder. Sie riefen: Diener (ich hatte gar keinen Namen), bring das her, gib das her, reinige meine Schuhe, gib deine Jause her, etc. Sie waren oft gnadenlos zu mir, weil ich wegen nichts etwas gesagt habe. Dieses Heim mit seinen großen Fenstern mit grauen Gittern hat schon beim Anblick an ein Gefängnis und nicht an ein Kinderheim erinnert. Ich habe oft versucht, meinen Kopf zwischen den Gittern hinauszustecken. Aber nirgendwo hat er durchgepasst. Dieses Heim war für mich so furchtbar, dass ich oft versucht habe, wegzulaufen, aber ich war nicht erfolgreich. Sie haben mich immer erwischt.
 
Dann wurde ich nach einer Zeit in das Kaffka Margit Mädchenheim gebracht, das neben „Városmajor“ war. Das war eine riesengroße Veränderung in meinem Leben. Meine Diener-Position war zu Ende. Es gab keine Jungs. Ich war vier Jahre in diesem Heim, viele schwere Tage durchlebend. Ich werde von dieser Zeit nur ein-zwei Ereignisse erzählen. Vier Mal bin ich auch aus diesem Heim geflohen. Es war immer sehr erinnerungswürdig. Einmal haben sie uns in einen großen Garten mitgenommen. Vor dem Losgehen hat die Direktorin angekündigt, dass demjenigen, der versucht wegzulaufen, der Kopf kahl abrasiert wird und sie hat noch irgendeine Strafe erwähnt. Ich habe versucht zu fliehen, in dem für das Heim typische Gewand. In einer Fußgängerunterführung bei der Üllöi Strasse habe ich mich hinter einer Säule versteckt. Und dann bin ich bis zum Ostbahnhof gelaufen (eine große Entfernung). Von dort aus ohne Ticket mit der Bahn bis nachhause, nach Rákosszentmihály. Mein Herz ist fast aus meiner Brust gesprungen, so eine große Angst hatte ich, dass mich jemand erwischt. Meine Mutter habe ich in der Kneipe gefunden. Ich habe weinend gebettelt, dass sie mich nicht zurückbringen soll, weil sie mir dann die Haare ganz abschneiden. Ich habe versprochen, dass ich sehr brav sein und arbeiten werde, nur dass ich zuhause bleiben darf. (Später, als mir das eingefallen ist, war es für mich unverständlich, wieso ich so oft geflohen bin. Im Heim gab es Essen und Verpflegung. Zuhause Schlägereien, Betrunkenheit. Und trotzdem bin ich geflohen.) Mutter,  - wie üblicherweise Betrunkene sind – hat mit lauter Stimme versprochen, dass sie mich verteidigen wird, und die anderen anwesenden Betrunkenen haben sich angeschlossen. Dann habe ich einen Himbeersaft bekommen und ich konnte aufatmen. Am nächsten Tag hat mich meine Mutter zurückgebracht. Später, als ich auch Mutter geworden bin, habe ich daran gedacht, dass meine Mutter es nicht gesehen und gefühlt hat, weil ich nicht andauernd geweint habe, aber meine Seele hat geweint. In dem Heim gab es eine alte Erzieherin namens Unger Maria. Sie war nur selten mit uns, aber als sie mit uns war, war es für mich so, wie ein Urlaub. Und es gab die Frau Lenke, eine laute, strenge, lilahaarige Erzieherin. Vor ihr habe ich mich gefürchtet. Einmal beim Mittagessen hat jemand zum Spaß den Deckel des Salzstreuers abgedreht. Ich wollte meine Suppe salzen und das ganze Salz aus dem Streuer samt seinem Deckel ist in meine Suppe gefallen. Frau Lenke wusste, dass ich unschuldig bin, aber sie hat mich trotzdem gezwungen die Suppe voll mit Salz zu essen, in die meine salzigen Tränen hineingefallen sind. Mir ist danach schlecht geworden. Später habe ich daran gedacht, warum wohl jemand eine Erzieherin wird, wenn sie Kinder nicht mag. Nach den Fluchtversuchen haben sie mich immer zu einer frauenärztlichen Untersuchung gebracht. In der siebten Klasse haben sie herausgefunden, dass ich stumpfsichtig bin. Die Linse der Brille, durch die mein gutes Auge schaute, wurde abgeklebt (es sah schrecklich aus), damit ich nur mein schlechtes Auge benutze (als Behandlungsmethode). Sie sagten, dass ich es ja nicht runternehmen soll (den Kleber), sonst werde ich einmal blind. Davor hatte ich große Angst, ich wollte nicht blind werden. So habe ich fast gar nichts von dem gesehen, was in der Schule auf die Tafel geschrieben wurde. Nur manchmal habe ich mich getraut unter der abgeklebten Linse meiner Brille durchzuschauen. Deshalb bin ich beim Lernen sehr zurückgeblieben, vor allem in Mathematik. Und aufgrund dessen hatte ich später Probleme. (Übrigens kann man die Stumpfsichtigkeit mit dieser Methode nur bis zum 6. Lebensjahr bei Kindern erfolgreich behandeln.) 
In dem Schlafzimmer haben wir ca. zu zwanzigst geschlafen. Drei Betten waren am Ende der Halle alte Stockbetten.
Niemand wollte dort schlafen. Für die Kinder, die oben auf den Stockbetten schliefen, war es so, als ob sie in Gruben schliefen. Aber diejenigen, die unten schliefen, hatten es auch nicht so gut, weil die Drähte des Bettes auf sie herabhingen. Oben auf den Stockbetten schliefen die dünnsten Kinder. Ich habe oben geschlafen. Unter mir lag ein lautes, unberechenbares Mädchen. Manchmal, wenn es sie störte, dass ich auf sie „herabhing“, oder wenn sie schlechte Laune hatte, ich weis nicht, dann hat sie mit ihren beiden Beinen in meine Matratze getreten, was dazu führte, dass ich für eine kurze Zeit, ganz unerwartet mich in die Luft erhob. Vor das hatte ich Angst, weil ich nicht wusste, wann das passieren wird. In dieser Zeit habe ich jeden Abend gebetet. Das eine Gebet, das mich meine Großmutter gelehrt hat: „Mein Gott, mein lieber Gott, meine Augen schließen sich, aber deine sind offen mein Vater ...“ (ein bekanntes ungarisches Kinder-Gebet) und am Ende habe ich immer alle aufgezählt, die ich liebte: meine Großmutter, Mutter, Lajos und meine kleinen Schwestern. Und ich wusste, dass Gott auf uns aufpasst. Dieses Gebet hat für mich in der Zeit viel bedeutet: Sicherheit, Beständigkeit jeden Abend.

Ein kleiner Exkurs:

Als ich in den Sommerferien zuhause war, hat mich meine Großmutter zum Religionsunterricht in der katholischen Kirche in Rákosszentmihály angemeldet. In der ersten Religionsstunde war mir sehr kalt, wir waren in einem dunklen, unfreundlichen Raum, in dem komische Schatten auf den Wänden zu sehen waren. Der Priester war in ein dunkles Gewand gekleidet, hat streng geredet, dass das Gottes Haus ist, etc. Ich habe vieles gar nicht verstanden. Danach bin ich nicht mehr zu den Religionsstunden gegangen, aber ich habe mich nicht getraut, dies meiner Großmutter zu sagen, die die ersten 10 Stunden schon im Voraus bezahlt hat. Ich erinnere mich, mit dem Verstand eines Kindes habe ich gedacht, das wohl Gott an so einem kalten, dunklen Ort wohnt. Der Arme. Er muss immer dort sein. Und ich habe mich gefreut, dass ich mich von dort wegschleichen konnte.
 
Von dem Kinderheim sind wir jeden Tag in  Zweierreihe in die „Városmajor“ Schule gegangen, mit einer Erzieherin. Straßen mussten wir auch überqueren. Ich habe immer etwas zum Bestaunen gehabt oder einfach nur Tagträume gehabt. Die Erzieherin hat sich deswegen oft über mich geärgert. „Mayer!“ – hat sie geschrien. „Du tanzt wieder aus der Reihe! Wie oft habe ich dich schon ermahnt?
 
Im Jahre 1966, nach dem Abschluss der achten Schulklasse, bin ich in das Kinderdorf in Fót in eine Berufsmittelschule für KinderbetreuerInnen gekommen. Ich wusste schon sehr lange, dass ich später Kinder unterrichten, und KINDER LIEBEN möchte. Das Kinderdorf war im Vergleich zu den anderen Heimen ein Urlaubsort. Für mich war es schön. Man konnte sehen, mit wie viel Liebe sie dort vieles geschaffen haben. Natürlich bin ich auch von hier paarmal geflohen, aber grundsätzlich – sofern man als staatlich Betreute, ohne Eltern gut leben kann – hatten wir es dort gut. Dem Fóter Kinderdorf kann ich sehr viel danken. Barna Lajos Direktors Name ist mit Rot in mein Herz geschrieben. Er hat mit der Gründung dieser Institution in 1957 mehreren tausend Kindern ein liebevolles Zuhause gegeben, soweit es die Bedingungen ermöglichten. Frau Tóth Elemérné Èva Erzieherin hat ihr ganzes Leben dafür gegeben, Kinder von anderen zu betreuen, erziehen und zu lieben. Ich danke Dir von Herzen, Frau Èva!
Hier im Kinderdorf hat mich Frau Benkö Erzsi in Mathematik durchfallen lassen. Wegen meiner abgeklebten Brille bin ich zurückgeblieben. Ich habe kaum etwas verstanden. Mir fehlten die Grundlagen. Vor den Mathematikstunden hatte ich immer große Angst. Ich bin in den Sommerferien nachhause gegangen und musste bis zur Wiederholungsprüfung sehr Vieles nachholen. Wie soll ich mich auf die Wiederholungsprüfung vorbereiten? Wer soll mir die Rätsel der Gleichungen, Sinus und Cosinus erklären? Meine Mutter, die ihr Wissen in der Kneipe gesammelt hat? Oder Lajos, der meisterhaft fluchen konnte? Oder meine liebe Großmutter, die mich in Menschlichkeit auf die beste Note vorbereiten hätte können? Aber mit ihren sechs abgeschlossenen Grundschuljahren in Mathe? Ich habe die Wiederholungsprüfung irgendwie geschafft.
 
Im Kinderdorf gab es zehn Kindergärten. Dort haben wir regelmäßig unsere Praktikumsstunden gemacht, als zukünftige Kindergartenpädagoginnen. Ich habe die kleinen Kindergartengartenkinder sehr lieb gehabt. Sie waren so dankbar für jedes gute Wort, jedes Streicheln. Jeden ersten Sonntag des Monats durften sie von Außen besucht werden. Das war immer ein großes Ereignis, auch im Leben der Großen. Wir haben uns dafür vorbereitet. Die kleinen Kindergartenkinder waren davor auch immer sehr aufgeregt. Sie haben spekuliert, wer wohl Besuche, wer Geschenke bekommen wird. Sonntag Nachmittag sind wird zum dem großen geschlossenen Tor des Kinderdorfes spaziert, von wo aus man die Busstation sehen konnte. Auf dem Weg dorthin haben wir gesungen, gelacht und sind freudig gegangen. Und wir haben gewartet, gewartet und gewartet. Von den 16 Kindergartenkindern sind nur zu 4-5 Kindern Besucher gekommen. Wir sind danach still zurückgegangen, man konnte nur Weinen hören. Mütter!!! Wo wart ihr???? Da habe ich mir vorgenommen, dass, wenn ich einmal Kinder haben werde, sie nie und nimmer, unter keinen Bedingungen in ein Heim kommen werden. Die viele Zuwendung und Liebe, die auch ich vermisst habe, werde ich meinen Kindern geben. Es ist unsagbar traurig, wenn ein Kind „weggeworfen“ wird. Was müssen ihre kleinen Seelen durchleben? Das Fóter Kinderdorf war für mich in den vier Jahren ein großer Lehrer. In der Klasse waren wir zu dreißigst. Darunter waren wir zu 16, die staatlich erzogen wurden, 14 Kinder sind vom familiären Zuhause aus in diese Schule gegangen. Sie durften jeden Tag nachhause. Jedes Jahr organisiere ich Klassentreffen (auch in Österreich). Gelegentlich kommt auch Frau Èva (unsere Erzieherin), und Frau Ica, unser Klassenvorstand. Wir sind dann zusammen (werden aber mit der Zeit leider weniger) und freuen uns füreinander. Jedes Mal wenn ich Frau Èva sehe, wird mein Herz eng. Was ist aus dem Kinderdorf geworden. Wie gut, dass B. Lajos (der ehemalige Direktor) das nicht mehr erleben musste.

Als ich 1970 mit 18 Jahren aus dem Kinderdorf gekommen bin, gab es noch keine „Lebensstart“-Beihilfe für junge Leute. Mit einem kleinen Papierkoffer in der Hand bin ich zu meiner Großmutter, Mutter, Lajos und meinen zwei kleine Schwestern nachhause gegangen. Wer wird mir einen Rat geben, was ich am nächsten Tag machen soll??? Mutter? Lajos? Meine Großmutter? Die Weg-Suche war sehr schwer alleine. Ich musste Geld verdienen. Um mich zu finanzieren und den Zuhause Gebliebenen zu helfen.
In meinen jungen Jahren im Heim habe ich einen Maßstab gesetzt, was für einen Ehemann ich später haben möchte.

Die drei wichtigsten Kriterien schreibe ich hier auf:

1. ER SOLL NICHT TRINKEN!
2. ER SOLL NICHT AGGRESSIV SEIN, und soll nicht fluchen!
3. Er soll intelligent sein.

Meine erste Beziehung war mit Tamás. Ich habe noch im Kinderdorf gelebt, als ich ihn kennengelernt habe. Er war sanftmütig und gescheit. Sie haben in Budapest im Burgbezirk (eine schöne und reiche Gegend) auf dem Dísz-Platz gewohnt. Sein Vater war der Direktor des Landesinstituts für Neurologie und Psychatrie. Seine Mutter hat auch in einer guten Position gearbeitet. Ich habe bis dahin noch nie so einen Reichtum gesehen. Tamás konnte viele Gedichte von Attila József (ein berühmter ungarischer Dichter) auswendig. Ich habe diese gern gehört. Doch dann haben seine Eltern ihm verboten, mich zu treffen. Mit meiner Vergangenheit als staatlich erzogene, und meinem Null-Reichtum habe ich nicht in die Familie gepasst. Tamás war ein sehr guter Mensch. Ich habe meinen jetzigen Mann schon gekannt, als er (Tamás) mich noch für die Hochschulprüfungen in Physik und Chemie vorbereitet. Er ist auch zu meiner Hochzeit gekommen. Tamás ist als  Medizinstudent im sechsten Jahr  gestorben. Jahre später, nach dem Tod meines Sohnes, habe ich die Mutter von Tamás angerufen, um sie zu fragen, wie man den Tod des eigenen Kindes überleben kann. Sie hat mich dann besucht. (In der Zeit haben wir auf dem „Szabadságberg“ in Budapest in einem Haus gewohnt). Wir haben geredet. Sie hat mich um Verzeihung gebeten. Und wir konnten gemeinsam weinen, uns hat der wegen dem Tod unserer Kinder erlebte schreckliche Schmerz verbunden.
 
Mein Ehemann hat allen von mir aufgestellten Kriterien entsprochen. Als ich ihn und seine Eltern kennengelernt habe, habe ich gedacht, was passieren würde, wenn auch sie über meine Vergangenheit als staatlich Erzogene erfahren und darüber, in was für einer Armut ich lebe. Ich hatte einen Wintermantel, den ich genäht habe, aber für Innenfutter hatte ich kein Geld mehr. Ich habe Angst gehabt ihn auszuziehen, was sie dann wohl von mir denken würden? Aber von außen war es ein schöner Mantel. Mein Schwiegervater und meine Schwiegermutter haben mich mit unendlicher Liebe empfangen. Da habe ich zum ersten Mal erlebt, wie eine wirkliche Familie ist. Solange ich lebe, werde ich mit Dankbarkeit an sie denken. Von ihnen habe ich meinen ersten warmen Wintermantel bekommen. Mein Schwiegervater war ein leitender Direktor. Sie haben in Bewegungen teilgenommen, hatten kein Auto, kein Urlaubshaus (wie die Eltern von Tamás), sie lebten in einer Wohnung. Sie haben nie über Gott geredet. Aber ich habe so viel Liebe von ihnen bekommen. 
Ich habe als Pädagogin gearbeitet und bin während dessen auf die „Juhász Gyula“ Lehrerbildende Hochschule gegangen.
 

Eine kleiner Exkurs:

Als ich im 20.Bezirk als Padagogin gearbeitet habe,  gab es dort einen kleinen Jungen namens Karcsi. Dieser dürre, blasse Junge war sehr vernachlässigt, manchmal hat er bisschen gestunken. Er war angeblich der schlimmste Junge in der Schule. Ich habe diesen Karcsi sehr lieb gehabt. Ich habe mit ihm viel Zeit verbracht. Er wurde oft beschimpft. Das habe ich nicht verstanden, weil er bei mir so ein guter Junge war. In den Pausen hat er mich oft aufgesucht und umarmt, ich habe ihn dann auch umarmt. Dadurch war unser Tag schon gut. Manchmal fällt er mir ein. Wo er wohl gerade ist? Umarmt, liebt ihn irgendwer?
 
1975 ist mein Sohn, Balázs, geboren. Unaussprechliches Glück war das. Ich habe mein Lehramt-Diplom bekommen, ich bin Lehrerin geworden! Wir hatten eine Wohnung. Ich hatte eine echte Familie.

Meine Mutter hat noch immer viel getrunken. Die Wahrheit ist, dass ich mich manchmal geschämt habe, dass meine Mutter so ausgeschaut hat. Ich habe sie trotzdem geliebt. Sie ist wegen dem Alkohol in so unwürdige Situationen geraten. Einmal war sie so betrunken bei uns, dass sie auf den Teppich gepinkelt hat. Dafür habe ich mich sehr vor meinem Mann geschämt. Einmal, als sie wieder bei uns war, habe ich sie wegen etwas kritisiert. Wir haben gestritten. Ich weiss selber nicht, wie das passieren konnte, aber ich habe ihr eine Ohrfeige gegeben. Dann hat sie zu mir gesagt: Ich verfluche dich, erfahre, was wirklicher Schmerz ist. Sie hat noch gesagt, dass seit 1945 der Fluch erneut Wirkung hat. Ich bin sehr traurig geworden, aber ich habe das Ganze als Dummheit angesehen. Ich habe nicht daran geglaubt, dass jemand mit Worten einem anderen Menschen Schaden zufügen kann.
 
1977 ist meine wunderschöne Tochter Zsófi geboren.

Im April war der x-te Selbstmordversuch meiner Mutter „erfolgreich“. Nachträglich zurückdenkend habe ich das Gefühl, dass ich zeitweise zu ungeduldig mit ihr war. Aber ich habe nicht verstanden, wieso sie nicht fähig ist, das Trinken aufzuhören. Heute weiss  ich schon, dass es sehr schwer ist von einer Sucht loszukommen. Ich habe es selbst erlebt.
 

Mein Balázs.

Er war ein mit besonderen Fähigkeiten gesegneter kleiner Junge. Sehr gescheit. Mit fünf Jahren hat er gelesen und gerechnet. Er hatte besondere Zeichnungen mit Sternen und Raumschiffen gezeichnet. Er wusste, welcher Stern wie viele Planeten hat. Ein großer Sternen-Atlas (Menzel) war einer seiner Lieblingsbücher.Er ist in die gleiche Schule gegangen, in der ich die Großen unterrichtet habe. Ich war unaussprechlich stolz auf ihn. Ich habe ihn sehr geliebt. Wir haben sehr viel gemeinsam erlebt in den 8 Jahren. Am 12. März 1983, an einem Samstag, saßen wir gemeinsam im Wohnzimmer. Es war ein unvergesslicher Abend! Und am nächsten Tag ist Balázs in einem Autounfall gestorben! Vielleicht werde ich einmal die Kraft haben, das Unsagbare niederzuschreiben. Nach Jahren bin ich draufgekommen, dass, wenn ich damals auf diese innere Stimme gehört hätte, er  heute noch leben würde. Damals wusste ich noch nicht, dass es wichtig, auf diese zu hören. Heute weiss ich es schon. Aber Balázs kommt nicht mehr zurück. Nach 30 Jahren tut es noch immer so weh! Nach dem Autounfall ist der in unserem Haus wohnende reformierte Pfarrer, dessen Sohn ich unterrichtet habe, zu uns heruntergekommen und hat angefangen über Gott zu reden. Und ich habe ihm gesagt, dass ich so einen Gott nicht brauche, der zugelassen hat, dass mein Sohn stirbt. Denn er wusste, sah, was für mich Balázs bedeutete......! Ich bin auf die geschlossene Station in das Kútvölgyi Krankenhaus (in Budapest) gekommen. Ich wollte nicht mehr weiter leben. All der Schmerz und Leid meines bisherigen Lebens sind aufgebrochen. Geschlossene Station, Medikamente, Vollnarkose, Elektroschocks.
Ich erinnere mich, ich habe lange Zeit bei den Behandlungen der Ärztin gesagt, während sie mir die Injektion (Vollnarkose) verabreichte, dass sie mir diese so geben soll, dass ich nie wieder aufwache. Ich habe regelmäßig eine Hand voll Medikamente bekommen. Die Krankenschwester stand neben mir, bis ich alle geschluckt habe. Nach einer Zeit bin ich auf eine psychiatrische Rehabilitationsstation gekommen. Dort habe ich auch sehr viele Medikamente bekommen. Noch heute empört es mich, was für starke bewusstseinsverändernde Mittel sie verwendet haben. Einmal, nach der Einnahme der Medikamente, habe ich  vor allen Anderen  einen Mann mit einem ähnlich gläsernen Blick geküsst. Und die Krankenschwester hat alles notiert. Am nächsten Tag bin ich zum Arzt gegangen und habe ihm gesagt, dass ich nicht bereit bin, so viele Medikamente einzunehmen. Es wäre ein lange Geschichte, wenn ich alles, was in der im Krankenhaus verbrachten Zeit passiert ist, niederschreiben würde.
Aber ich bin noch immer dagegen, was sie im Namen der Psychatrie mit den Menschen machen. Über die Zeit nach dem Autounfall möchte ich nicht schreiben, sonst würde ich Menschen beleidigen. Und das möchte ich nicht. Als sich herausstellte, dass wieder neues Leben in mir ist, ............ wusste ich, dass ich alle Medikamente absetzen muss. Ich habe den ganzen Tag durchgeweint. Der Arzt hat gesagt, dass ich ein krankes Kind zur Welt bringen werde, wenn ich das Weinen nicht aufhöre. Wie kann man nicht weinen? Wo war diese Schwangerschaft , als ich Balázs unter meinem Herz getragen habe? Da war alles gut, eine freudige Erwartung. Und jetzt ist alles so dunkel. Ich konnte nicht aus meinem Zimmer gehen........
David ist „gesund“, als ein schönes Kind geboren. Ich habe versucht wieder zu unterrichten, doch ich konnte nicht. Davor habe ich so fröhliche Stunden gehalten. Jetzt bin ich in den Stunden in Weinen ausgebrochen. Die Kinder können nichts dafür, dass ich traurig bin. Ich bin unfähig geworden als Lehrerin.
 
Meine liebe Großmutter hat bis zu ihrem Tod mit uns in dem großen Haus gelebt. Dann ist Kriszti geboren, ich hatte schon 3 Kinder, mit vielen Aufgaben. Ich habe mich über die Kinder sehr gefreut, aber das Fehlen von Balázs ist oft in mir „aufgebrochen“. Ich habe Schlaftabletten genommen. Immer mehr.
Im Jahre 1987 habe ich das erste Mal Ton in meinen Händen gehalten. Ich habe diesen Ton geformt. 1989 sind wir nach Österreich gezogen. Mein Mann hat dort einen Job erhalten. In Österreich war es sehr gut, aber auch schwer. Ich war oft alleine mit den Kindern. Mein Mann war wegen seiner Arbeit viel unterwegs. Über Österreich möchte ich später noch mehr schreiben. Die Österreicher waren sehr nett zu uns, haben uns angenommen. Das österreichische Rote Kreuz bekommt von mir eine Auszeichnung für die Hilfe, der Humanität, die sie uns entgegen brachten. Manchmal träume ich noch davon, dass ich in Baden im Casinopark spaziere. Es ist Sonntag, die Sonne scheint, ich höre mir das im Freien gespielte Konzert an. Unbekannte Menschen begrüßen mich, lächeln mich an. In Österreich.
 1994 habe ich Jesus in mein Herz gelassen und habe ihn gebeten, bei mir zu bleiben, solange ich lebe. Ich habe in Österreich viel Keramik gemacht, mit Ton gearbeitet. Ich hatte eine Werkstatt. Der Ton ist so leicht formbar. Freude und Ruhe haben mich erfüllt, als ich damit gearbeitet habe. Die Keramikwerke habe ich verschenkt. In Wien habe ich eine christliche Gemeinde besucht, dort habe ich das erste Mal die Kraft des Gebets erfahren. Ich konnte das regelmäßige Einnehmen von Schlaftabletten aufhören.
 
David war ein besonderes Kind. Wir sind einen schweren Weg gegangen. Und mit mir sind sonderbare Sachen passiert. Unverständliche, nicht erklärbare Dinge. Wunder. Ich habe nicht verstanden, wieso mit mir, warum ich?
Es ist noch so vieles passiert, mein lieber Leser, meine liebe Leserin. Dieses intensive Zurückerinnern ist für mich sehr schwer. Ich erlebe alles wieder, während ich mich zurückerinnere. Später, wenn ich meine anderen Keramikwerke vorstellen werde, erzähle ich die sonderbaren Fälle, die mit uns/mit mir passiert sind.
Ich möchte über Österreich erzählen und über Sopron, wohin wir für vier Jahre teilweise umgezogen sind. Ich möchte auch erzählen, dass mein Sohn David aus dem umgedrehten, total beschädigten, zertrümmerten Auto ohne einen Kratzer ausgestiegen ist. Dass meine Tochter Kriszti durch ernste Schwierigkeiten durchgegangen ist. Ich möchte auch die Kraft des Gebets teilen. 
 

Über Heute.

Meine Tochter ZSÒFI hat christliche Psychologie in Deutschland studiert. Meiner Meinung nach ist sie eine der besten, am meisten liebenden Mütter der Welt. Bald wird ihr viertes Kind zur Welt kommen. Sie ist so geduldig, sie lächelt viel, und sie macht vieles viel besser, als ich es gemacht habe. Die englische Übersetzung dieser meiner Homepage hat sie gemacht. Mein Schwiegersohn ist US-Staatsbürger (Missionar).  Und über meine drei Enkelkinder, die so liebenswürdig sind. Die kleine Eszti, die mich in so Vielem an Balázs erinnert, hält mir mit sechs Jahren einen Vortrag über die Liebe.


Mein Sohn DÀVID, über dessen Leben (unser gemeinsames Leben) ich eine lange, aufregende, nie langweilige Geschichte schreiben könnte. Er arbeitet heute in der Österreichischen Nationalbank, und als ich seine Masterarbeit sah, von der ich nicht ein Wort verstanden habe, aber nicht deswegen, weil er sie auf Englisch geschrieben hat (auf ungarisch hätte ich sie auch nicht verstanden),  konnte ich erneut nur daran denken, wie gnädig Gott mit mir ist. Sein Abschluss ist durch die Kombination seiner zwei Studiengaenge – Management Science (Magister) und Quantitative Finance (Master of Science) – einzigartig in Österreich.

 Meine Tochter KRISZTI ist die Jüngste, in deren Herz die Sorgen der Welt hineinpassen, sie hilft Menschen gerne. Mit ihr gab es auch genug Aufregung. Heute macht sie ihr Masterstudium in Wien und erhält sich selbst. Zeitweise kann sie so weise sein, dass ich mich innerlich vor ihr beuge. Sie hat meine Homepage auf Deutsch übersetzt.


Mein Gott! Danke für meine Kinder!




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Fotók: B. Molnár Béla